Der Tourismus treibt die Digitalisierung voran

Das ergab eine IST-Analyse in der ILE an Rott & Inn – Technologiecampus Grafenau stellte erste Ergebnisse vor – Mitte Juli wird die Digitalisierungsstrategie diskutiert

Neuhaus a. Inn/Grafenau. Sie sind sich darin einig, dass Sie den Anschluss an die Digitalisierung nicht versäumen wollen – und sie wissen, dass sie dabei noch ein gutes Stück des Weges vor sich haben. Damit sie zielgerichtet und effektiv vorankommen, haben sich elf Kommunen im südlichen Landkreis Passau dazu entschlossen, mit fachlicher Unterstützung eines Teams vom Technologie-Campus (TC) Grafenau eine „Digitalisierungsstrategie“ zu entwickeln.  Dieses Gemeinschaftsprojekt des interkommunalen Zusammenschlusses Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) an Rott & Inn wird über das Regionalbudget 2021 gefördert, welches das Amt für Ländliche Entwicklung der ILE an Rott & Inn zur Verfügung stellt.

In den vergangenen Wochen hat das Team um Matthias Oswald vom TC Grafenau den digitalen Status Quo in den elf ILE-Kommunen analysiert. Bei einem Treffen in Neuhaus präsentierten Oswald und Kollegen den ILE-Bürgermeistern, Geschäftsleiten und IT-Fachleuten nun erste Ergebnisse.

Einleitend hatte Stephan Dorn, Bürgermeister von Neuhaus a. Inn, dessen Kommune federführend im Handlungsfeld „Digitalisierung“ ist, die 20 Anwesenden mit den Worten begrüßt: „Unser Leben ist durch die Digitalisierung schon seit Jahren verändert worden. Corona hat die Entwicklung beschleunigt. Mir wäre eine überschaubare Anzahl an Projekten wichtig, von denen wir alle etwas haben.“

Matthias Oswald, dessen Team sich in den letzten sechs Jahren mit der Thematik „digitale Dörfer in Bayern“ befasste, informierte über den IST-Zustand in der ILE an Rott & Inn: Aktuell zeige sich in den elf befragten Kommunen der ILE ein ähnliches Bild wie in vielen andere Kommunen in Bayern, sagte Oswald: Nur 30 Prozent der Befragten sehen die personelle Kapazität ausreichend für die Digitalisierungsmaßnahmen an. 50 Prozent der Befragten sagen, die finanziellen Mittel wären nicht da, um die nötigen Maßnahmen voranzubringen und räumen gleichzeitig ein, sich in dem undurchdringlichen „Dschungel von Förderprogrammen der diversen Ministerien“ nicht wirklich zurecht zu finden. So kommen die Fördermittel des Freistaats Bayern aktuell nur vier der Sbefragten ILE-Kommunen zugute.

Als Schwächen wurden herausgearbeitet, dass einige Themen nur auf kommunaler Ebene digital umgesetzt werden. Bei den meisten Themen fehlt es an der gewünschten ILE-übergreifenden Vernetzung. Außerdem würden die umgesetzten Maßnahmen auf keiner Strategie fußen. Um dies zu ändern, hat die ILE die Digitalisierungsstrategie in Auftrag gegeben. Als Chancen benannte der TC Grafenau die steigende Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger (v.a. durch Corona), sich auf die Digitalisierung einzulassen. Der Wirtschaftszweig Tourismus scheint sich als treibende Kraft in der Digitalisierung in der Region herauszukristallisieren.

In einem Workshop tauschte setzte sich die Gruppe Ziele, welche sie mit der Digitalisierungsstrategie erreichen will. Arbeitserleichterung und Effizienzsteigerung in der Verwaltung wurden genannt, Bürgerfreundlichkeit und Zeitersparnis für die Bürger, Flexibilität für Arbeitgeber, das Optimieren analoger Prozesse, Wissensmanagement und insgesamt eine schnellere und bessere Zusammenarbeit der ILE-Kommunen.

Um gelieferte Projektideen ihrer Dinglich- und Wichtigkeit nach einsortieren zu können, sammelten die Teilnehmer eine ganze Reihe an Bewertungskriterien. Allen Voran als „sehr wichtig“ eingestuft wurden Kriterien wie z.B. Nutzen, den die Digitalisierung mit sich bringt, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit.  Danach erarbeiteten die Bürgermeister, Geschäftsleiter und EDV-Spezialisten der Kommunen diverse Projektideen, die samt einem zum Schluss gesetzten Ranking in die finale Digitalisierungs-Strategie einfließen werden. Matthias Oswald vom Technologie-Campus und sein Team werden Mittel Juli 2021 auf der Strategie-Klausur der ILE-Bürgermeister und Geschäftsleiter ein Konzept vorstellen und in Anschluss daran die wichtigsten Projekte aufgleisen.