Die ILE will`s digital

Die Bürgermeister von „Rott und Inn“ besuchten das „digitale Dorf“ Spiegelau - und kamen inspiriert zurück.

Neuhaus a. Inn/Bad Füssing/Neuburg am Inn/ Tettenweis/Spiegelau.
Wie treibt man die Digitalisierung einer Gemeinde voran? Was ist ein „digitales Dorf“? Wie wirken die Bürger daran mit – und was haben sie davon? Diese Fragen, die durch die Coronakrise an Brisanz gewonnen haben, ließ sich eine relativ große Abordnung der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) an Rott und Inn im Bayerischen Wald beantworten. Die Anregung, sich ein Best-Practice-Beispiel anzusehen, war von ILE-Bürgermeister Stephan Dorn aus Neuhaus a. Inn gekommen. Ende September machte sich Dorn nun zusammen mit seinem Bad Füssinger Bürgermeister-Kollegen Tobias Kurz, den Geschäftsleitern Wolfgang Küblböck (Neuhaus a. Inn), Angelika Datzer-Gabriel (Neuburg a. Inn) und Roland Ungar (Tettenweis ) sowie ILE-Managerin Dr. Ursula Diepolder auf den Weg nach Spiegelau (Landkreis Freyung-Grafenau).

Die Gemeinden Spiegelau und Frauenau, beide Mitglieder in der ILE Nationalparkgemeinden, sind preisbedachte Partner des bayernweiten Pilotprojekts „Digitales Dorf – gemeinsam Zukunft schaffen“. Die Teilnahme daran bekamen sie für zwei Jahre mit insgesamt 200.000 Euro vom Bayerischen Staatsregierung gefördert.

Heimatverbundenheit wird gestärkt
Spiegelaus Bürgermeister Karlheinz Roth berichtete der Gruppe hochmotiviert von seinen Erfahrungen. „Entscheidend ist das Wort ,gemeinsam´, und zwar mit den Menschen, die das Ganze anwenden und den Mehrwert erkennen müssen. Das muss wachsen“, schickte Roth seinem praxisnahen Vortrag im Spiegelauer Rathaus voran. Beim digitalen Dorf gehe es darum, zu erproben, mit man digitaler Hilfe die Lebensqualität im ländlichen Raum verbessern kann. „Wir als Bürgermeister haben die Ziele definiert, aber den Weg gemeinsam mit den betroffenen Kreisen diskutiert und festgelegt“, betonte Roth. Die Maxime sei es gewesen, die Heimatverbundenheit zu stärken.  Welche Maßnahmen es dazu brauche, welche Themenfelder dazu „beackert“ werden, müssten die Bürgermeister jeder ILE für sich klären, meinte Roth. In Spiegelau habe er die Digitalisierung zur „Chefsache“ gemacht, eine Strategie festgelegt und diese nach dem Wunsch der Arbeitskreise umgesetzt. Über Veranstaltungen mit  bis zu 150 Teilnehmern sowie in kleineren Workshops wurden die digitale Schule und die digitale Bibliothek eingerichtet, eine digitale Infotafel am Rathaus installiert, eine Rathaus-App für Termine und Dokumente erarbeitet sowie eine digitale Gottesdienst-Übertragung in die heimischen Wohnzimmer organisiert. Die Plattform nennt sich passenderweise „DaHOAM 4.0“.

Online-Sprechstunde beim Arzt
Besonders bewährt haben sich laut Bürgermeister Roth die neuen, digitalen Sprechstunden mit einem Hausarzt. Das Angebot, bei dem der Arzt via Bildschirmkamera mit seinen Patienten kommuniziert, spare zeitintensive Anfahrten und mindere außerdem die Infektionsgefahr. Sehr gut angenommen werde auch der Dorf-Rufbus. Beliebt sei der Rufbus vor allem bei Senioren, die zum Einkaufen oder zum Arzt wollen. Sie buchen ihre Fahrten telefonisch bei der Rufbus-Zentrale des Landkreises – oder aber mit dem Handy über eine neue App. Aber Achtung: „Bevor ein Angebot digitalisiert eingeführt wird, müssen die analogen Prozesse funktionieren, sonst klappt es nicht!“, warnte Roth.  Ein weiterer Baustein im digitalen Spiegelau ist der Coworking-Space im Bildungszentrum CUBIS. Angestellte und Freiberufler können den Raum stunden-, tage- oder wochenweise kostenlos nutzen.

Voraussetzung für die Digitalisierung sei eine gute Breitband-Versorgung, wobei die Kommunen dafür Sorge tragen müssten, „schwarze Flecken“ auf der Landkarte zu beseitigen, betonte Karlheinz Roth. Bei der technischen Umsetzung der digitalen Angebote werden Spiegelau und Frauenau vom Technologie-Campus Grafenau unterstützt.  Für das Thema E-Government (papierlose Verwaltung, elektronische Aktenablage) empfiehlt Roth den ILE-Kommunen dringend, sich auf ein einheitliches System zu einigen, damit es mit den Schnittstellen keine Probleme gibt. Roth bot an, der ILE an Rott & Inn seinen Spiegelauer Geschäftsführer für einen E-Government- Workshop „auszuleihen“.

Die „Abgeordneten“ der ILE an Rott & Inn waren von Roths Vortrag sehr Aussagen inspiriert und haben das Erfahrene auch gleich in ihre Bürgermeisterrunde hineingetragen. Die ILE an Rott & Inn plant, sich der Digitalisierung intensiv zu widmen und strebt dabei die Zusammenarbeit mit dem TechnologieCampus Grafenau an.

 

Bildunterschrift:
Man muss das Rad nicht neu erfinden:  Spiegelaus Bürgermeister Karlheinz Roth berichtete der ILE an Rott und Inn gerne von seinen Erkenntnissen, v.l. Wolfgang Küblböck, Roland Ungar, Angelika Datzer-Gabriel, Stephan Dorn, Tobias Kurz und Dr. Ursula Diepolder.