„Die Sonne schreibt keine Rechnung“

Rund 80 Erzeuger Erneuerbarer Energien haben Interesse an regionalem Strommarkt – ILE an Rott & Inn treibt das Thema voran – Ruhstorf von Energie-Monitor begeistert

Kößlarn. Wenn es in der ILE an Rott & Inn um Erneuerbare Energien (EE) geht, ist Kößlarn der Hotspot. Aus dem kleinen Ort haben sich sage und schreibe 27 Energiewirte gemeldet, die Interesse bekunden, gemeinsam mit Abnehmern einen regionalen Strommarkt aufzubauen. „In der ganzen ILE sind es mittlerweile rund 80 Erzeuger, die mitmachen würden. Damit erreichen wir eine Power von 12.473 kWp“, freut sich ILE-Managerin Dr. Ursula Diepolder, die ihre Liste ständig erweitert. Der große Rücklauf kommt nicht von ungefähr: In den nächsten Jahren laufen die staatlich geförderten Einspeisevergütungen für EE aus. Das heißt, die Energiewirte sind gefordert, sich selbst darum zu kümmern, wem sie zu welchem Preis ihren Strom verkaufen. Sobald Versammlungen wieder möglich sind, will die ILE alle Interessenten zu einer Informationsveranstaltung einladen und den regionalen Strommarkt Schritt für Schritt auf den Weg bringen.

Andreas Hofmann kennt sich aus
Einer der Kößlarner EE-Erzeuger ist Andreas Hofmann, der auf seinem Hof gerade die dritte Photovoltaik-Anlage (PV) auf ein Dach montiert. „Sie ist für den Eigenbedarf und erzeugt 30 KW Strom“, erklärt der Landwirt und BBV-Obmann. Kößlarns Bürgermeister Willi Lindner, selbst Biobauer und PV-Anlagenbetreiber, hat sich mit dem neue ILE-Vorsitzenden Andreas Jakob, Bürgermeister von Ruhstorf, und dessen Geschäftsleiter Manfred Weber ein Bild von Hofmanns Anlagen gemacht. Angefahren kamen sie alle mit ihren Elektro-Autos.

Die ersten PV-Dachflächen nahm Hofmann bereits 2009 in Betrieb (99 KW), die zweite Anlage 2012 (110 KW). Zusammen mit ihrer Biogas-Anlage (115 KW) erzeugen Andreas Hofmann und seine Frau Tina aus Sonnenlicht und nachwachsenden Rohstoffen insgesamt 354 KW grünen Strom.

 „Das Wichtigste ist ein guter Strommix“, erklärt Hofmann aus Erfahrung. Während er im Winter nicht viel Strom aus Solarenergie erzeuge geschweige denn speichern könne, sei er mit seiner Biogas-Anlage auch in der kalten Jahreszeit flexibel: „Futter“ rein, läuft. Wobei das „Futter“ (Mais, Gülle) Geld und Arbeit koste. Im Gegensatz zur Solarenergie: „Die Sonne schreibt keine Rechnung“, bringt es Hofmann auf den Punkt.

 „Der Markt steht den Erneuerbaren Energien positiv gegenüber“, betont Willi Lindner. Dass dies in Kößlarn keine leeren Worte sind, wissen die Bürger. Die Gemeinde errichtet derzeit ein Nahwärmenetz, welches über die Dorferneuerung gefördert wird. Die Kommune erzeugt mehr Strom aus Solarkraft als sie selbst verbrauchen kann, „rechnerisch doppelt so viel“, sagt Willi Linder.

Auch in Ruhstorf ist man gut aufgestellt
Dort haben sich bislang 14 Erzeuger für einen regionalen Strommarkt interessiert. Als erste Gemeinde in der ILE hat Ruhstorf bereits Ende April den Energie-Monitor des Bayernwerks installiert. „Damit können wir viertelstündlich ablesen, welche Energiequellen gerade wieviel Strom erzeugen und wohin der Strom fließt“, erklärt Bürgermeister Andreas Jakob. Diese Dokumentation könne eine hilfreiche Grundlage für politische Entscheidungen sein. Ruhstorfs Geschäftsleiter Manfred Weber, der den Energie-Monitor betreut, ist von dem Instrument ebenfalls begeistert. Es sei faszinierend, zu beobachten, wie die PV-Anlagen von morgens bis nachmittags zur Hochform auflaufen. „Bei gutem Wetter erzeugen wir mit den kommunalen PV-Anlagen doppelt soviel Strom, wie wir verbrauchen“, berichtet Weber, „jetzt mangelt es nur noch an der Speichertechnik.“

Und wie kann man sich einen regionalen Strommarkt vorstellen? „Mittels einer Website könnten sich die Verbraucher nach dem Dorfladen-Prinzip ihren Lieblings-Erzeuger erneuerbarer Energie quasi aus der Nachbarschaft auswählen“, erklären Willi Lindner und Andreas Jakob. Wie dies organisatorisch geleistet werden kann, will die ILE noch klären. Erstmal ist sie am Sammeln von Kontakten und Erfahrungen.  Ziel ist es, den Strompreis so zu gestalten, dass sowohl die Erzeuger als auch die Verbraucher ein gutes Gefühl damit haben. „Ein bisschen teurer als Normalstrom darf der Ökostrom schon sein, aber nicht zu viel“, meint Energiewirt Andreas Hofmann. Interessenten können sich per E-Mail melden bei infobuero-diepolder.de.