Große Resonanz auf die Räteversammlung

Der Input war stark, die Wirkung groß – was für das ganze Jahr 2019 gilt, hat sich auf der interkommunalen Räteversammlung der Integrierten Ländlichen Entwicklung an Rott & Inn (ILE) Eins zu Eins widergespiegelt. Es wurde klar: die zehn Bürgermeister und deren Stadt-, Marktund Gemeinderäte stehen hinter dem Zusammenschluss, die Kommunen sind auf ihrem gemeinsamen Weg zusammengewachsen. Rund 90 Teilnehmer, darunter auch etliche Geschäftsleiter, Fachexperten, Bankvertreter und Multiplikatoren, haben sich den Jahresrückblick der ILE nicht entgehen lassen. Auf dem Programm standen zudem ein Ausblick auf 2020 und zwei Impulsreferate zum Thema Energie. Am Ende bat ILE-Managerin Dr. Ursula Diepolder die Teilnehmer*innen, die verschiedenen ILE-Projekte mittels Punktevergabe nach Wichtigkeit zu priorisieren.

Die Mangerin ist der Turbo-Motor
Fast ebenso viele Punkte wie die gemeinsame Klärschlammverwertung bekam die Vision der Energie-Autarkie. Auch die Themen „Ärzte auf dem Land“, „Leerstandsmanagement in den Ortskernen“ und „gemeinsame Beschaffung“ stehen hoch im Kurs. Rund 50.000 Menschen leben in den zehn Kommunen Pocking, Bad Füssing, Kirchham, Malching, Tettenweis, Kößlarn, Neuburg a. Inn, Neuhaus a. Inn, Ruhstorf a.d. Rott und Rotthalmünster, umriss „Hausherr“ und ILE-Vorsitzender Franz Schönmoser das Gebiet der ILE an Rott & Inn. Jeweils zwei Kommunen sind miteinander verantwortlich für eines der sechs Handlungsfelder. Der „Motor“ der ILE sei Managerin Dr. Ursula Diepolder. „Dabei handelt es sich aber nicht um einen normalen Vierzylinder, sondern um einen Achtzylinder-Turbomotor“, betonte Schönmoser mit Blick auf das hohe Tempo, das die ILE bei der Umsetzung ihrer Projekte vorlegt. Das belegt der umfangreiche Evaluierungsbericht, den Uschi Diepolder vorstellte. Sehr glücklich ist man mit dieser hundertste ILE Bayerns auch am Amt für Ländliche Entwicklung: „Ich erlebe die ILE an Rott & Inn als sehr positiv. Die einzelnen Gemeinden arbeiten sehr engagiert und konstruktiv zusammen. So gelingt es, gemeinsame Projekte erfolgreich umzusetzen. Mit ihrer Themenvielfalt gibt die ILE Antworten auf drängende und unterschiedlichste Fragestellungen vor Ort“, so das Feedback von Nina Kiehlbrei, die die ILE an Rott & Inn betreut und zu Fördermöglichkeiten berät.

Klimaschutzbeauftragter empfiehlt Regional-Strom-Handel aus Erneuerbaren Energien
An einer Stelle allerdings wurde die ILE im positiven Sinne „eingebremst“: Peter Ranzinger, Klimaschutzbeauftragter des Landkreises Passau, sah in seinem Impulsreferat die Zielsetzung einer 100prozentigen EnergieAutarkie kritisch: Nach dem Pareto-Prinzip seien 80 Prozent mit gutem Willen und Engagement machbar, die letzten 20 Prozent jedoch sehr aufwändig und teuer. Peter Ranzinger betonte, zuallererst gehe es um das Energie-Sparen. Im zweiten Schritt solle Energie effizient verwendet werden, im dritten Schritt folge die erneuerbare Energieerzeugung – und dies am besten regional durch ein intelligentes Energiemanagement jährlich rund 130.000 Euro an Kosten ein, erläuterte Ranzinger. Anhand der Beispiele Ruhstorf und Pocking zeigte er auf, dass die Kommunen zwar erneuerbare Energien (EE) erzeugen, diese aber nur zu einem geringen Teil selbst verbrauchen – der Rest geht ins Netz. Ranzinger regte an, die in großem Maß vorhandenen Potenziale für die Produktion von EE in der ILE zu nutzen und somit die Stromerzeugung vor Ort zu erhöhen. Kößlarn, Malching, Kirchham, Neuburg am Inn und Tettenweis würden bereits deutlich über 100 Prozent EE produzieren, allerdings nur bilanziell, weshalb der Einsatz eines Energiemonitors, der Auskunft über Energieflüsse während der 24-Stunden eines Tages gibt, Klarheit bringe. Ranzinger empfahl die Nutzung von Ökostrom – und besonders Regionalstrom aus EE, um den CO2-Abdruck zu minimieren.

Beim Aufbau einer regionalen Strombörse sei zu überlegen, ob man sich nur auf die ILE-Region begrenze oder auch angrenzende Regionen einbeziehe. Bei aller Liebe für EE mahnte Ranzinger aber auch, in Zeiten knapper werdender Flächen zu überlegen, wie man EE vor Ort erzeugen wolle – mit Sonne, Wind, Geothermie, Wasser oder Biomasse. Und bei letzterem sei die Frage erlaubt, ob Landwirte primär Lebensmittel erzeugen sollen oder ausschließlich zu Energie-Landwirten werden. Energie-Monitor als erster Schritt zu einem regionalen Strommarkt Thomas Oppelt von der Bayernwerk Regio Energie GmbH warb für den Energie-Monitor – ein Online-Instrument für Kommunen, das im 15 Minuten-Takt angibt, aus welcher Energiequelle (PV, Biomasse, Wasserkraft etc.) gerade wie viel Energie geliefert wird und von welchen Nutzergruppen diese verbraucht wird (Haushalte, Verwaltung, Gewerbe etc.). Der Energie-Monitor schaffe Transparenz und Bewusstsein für die Energieflüsse vor Ort und könne binnen drei Monaten installiert sein, erklärte Oppelt. Als zweites Instrument präsentierte er die Möglichkeit einer Online-Plattform zum Aufbau eines regionalen Strommarktes.

Dieser soll lokale Erzeuger erneuerbarer Energie und Verbraucher von Ökostrom bilanziell zusammenbringen. Damit habe schaffe man eine virtuelle regionale Online-Strombörse, mit deren Hilfe direkter Stromhandel zwischen regionalen Erzeugern und Verbrauchern möglich sei. Zum Angebot der Online-Strombörse von Bayernwerk gab es einige kritische Rückfragen aus dem Publikum.

Schönmoser: „Viele gute Rückmeldungen“
Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung lud ILE-Vorsitzender Franz Schönmoser zum Gedankenaustausch, was viele Teilnehmer nutzen, um an Stehtischen weiter zu sprechen. „Ich habe viele gute Rückmeldungen bekommen“, berichtete Schönmoser am Tag nach der Veranstaltung, „etliche Teilnehmer waren positiv überrascht von dem, was wir schon alles vorangebracht haben.“ Weil Schönmoser wie zwei weitere ILE-Bürgermeister bei den Kommunalwahlen 2020 nicht mehr kandidiert, wird er auch als ILE-Vorsitzender nicht mehr zur Verfügung stehen. „Ich wünsche mir, dass es mit einem neuen Vorsitzendem gut weiter geht. Wir haben eine tolle Managerin, mit der wir vertrauensvoll und konstruktiv zusammenarbeiten und die viel Herzblut in unsere ILE hängt“, betont Schönmoser.