Neue Dreamteams für das Klima

Die ILE an Rott & Inn wird Pilotregion für die Initiative Klimalandwirt (IKL): Landwirte und Firmen gehen Patenschaften ein und bekommen dies honoriert

„Endlich wird bei uns in der Region so etwas gemacht“, sagt Landwirt Andreas Hofmann erleichtert und fragt sogleich: „Wie viele Flächen kann man einbringen?“.  Der Obmann aus Kößlarn war einer von 18 TeilnehmerInnen, die sich Ende März kurzfristig virtuell zum 3. Dialogforum „Kommunen und Landwirtschaft“ trafen, darunter sieben ILE-Bürgermeister. Die Referenten Kurt Herbinger und Dr. Wolfgang Angermair von der Firma Farmfacts GmbH mit Sitz in Pfarrkirchen stellte ein innovatives Pilotprojekt vor, das einen messbaren Mehrwert für`s Klima bringt und noch dazu eine klassische Win Win-Situation für Landwirte und Firmen erzeugt:  Die Initiative Klimalandwirt – IKL. Dabei werden Umweltleistungen, die Landwirte beim Feldbau erbringen, finanziell honoriert – und zwar von Betrieben und Konzernen in der Region, die wegen ihrer CO2-Emissionen für Ausgleich sorgen müssen. Ab sofort vermittelt die IKL (getragen von der Firma FarmFacts) in drei Pilotregionen (Albzollernkreis in Baden-Württemberg, Niederbayern, Franken) regionale Klimapatenschaften zwischen interessierten Klima-Landwirten und „Sponsoren“.

„Die teilnehmenden Landwirte gestalten ihre Anbaumethoden und Fruchtfolgen dahingehend, dass der Humusgehalt in ihren Böden steigt bzw. Humusabbau verhindert wird.  Dadurch verbessert sich die Produktivität der Böden; die Flächen können mehr Wasser speichern und optimieren den Nährstoffhaushalt. Zudem werden Abschwemmungen bei Starkregen verhindert.

Mit dem Erhöhen der Bodenqualität steigen zum einen die Erträge. Zum anderen profitieren die Landwirte auch von dem Honorar, das sie für ihren außerordentlichen Beitrag zum Klimaschutz überwiesen bekommen. „Für ihre Umweltleistungen im Dienste der Allgemeinheit erhalten die Landwirte also einen zusätzlichen, stabilen und gesellschaftlich anerkannten Erlös“, erklärte Kurt Herbinger, der selbst aus der Landwirtschaft kommt.

Die Bürgermeister-Landwirte Willi Lindner (Öko-Ackerbau in Kößlarn), Georg Hofer (Veredelungsbetrieb mit Bullenmast Malching) sowie Dr. Wolfgang Angermair (Maisanbau, Gemeinderat Neuhaus am Inn), die mit Kurt Herbinger intensive und konstruktive Vorgespräche geführt hatten, warben dafür, die Idee schnell zu verbreiten. Bereits am Morgen nach dem virtuellen Dialogforum hatte Kurt Herbinger E-Mails von interessierten Landwirten in seinem Postfach.

Hier die wichtigsten Infos:

  • Die Initiative Klimalandwirt will über Humus-Aufbau eine erhöhte CO2-Bindung im Boden erreichen.
  • Gesucht werden Landwirte, die ab Herbst 2021 mit ihren Flächen (mindestens 25 Hektar) mitmachen möchten, sowie Unternehmen, die CO2-Zertifikate von diesen Landwirten kaufen wollen (Paten). Beide bringen ihr Engagement ein und gehen Verträge mit einer Laufzeit von drei Jahren ein.
  • Die teilnehmenden Landwirte können sich als „Klima-Landwirte“ bezeichnen, setzen geänderte Fruchtfolgen um, bauen Elemente zur Förderung der Artenvielfalt ein und haben den Wasserhaushalt im Blick. Dabei werden sie von Experten beraten und begleitet.
  • Ihre Leistungen werden erfasst und dokumentiert. Dazu hat IKL-FarmFacts ein Bewertungssystem entwickelt, das mit Bonuspunkten (Credits) arbeitet.
  • Die Credits können für drei Bereiche erreicht werden: 1) Bindung von CO2 im Humus 2) Vermeidung von CO2-Freisetzung durch Veränderung im Anbauverhalten und 3) Beiträge zur Erhöhung der Biodiversität.
  • In der 1. Phase konzentriert man sich bei der CO2-Reduktion darauf, Dünger einzusparen (die (Maßnahmen orientieren sich an der Düngeverordnung). Danach geht es darum, Humus in den Böden anzureichern und damit CO2 zu binden.
  • Verwaltet werden die Patenschaften unter Einhaltung eines speziellen Qualität-Audits von der Firma FarmFacts, die ihr System wissenschaftlich und rechtlich prüfen ließ und mit anerkannten Institutionen zusammenarbeitet (TUM, LfL, Lehranstalten Triesdorf etc.)
  • Klimalandwirte erhalten für ihre Leistungen bereits nach dem 1. Jahr Geld und pflegen „nebenbei“ ihr Image.
  • Die Wertschöpfung bleibt in der Region
  • Paten können mit diesem Engagement als „Klima-freundliche Betriebe“ werben.
  • Die ILE an Rott & Inn wird eines der insgesamt drei Pilotprojekte. Ein Pilotprojekt ist dadurch gekennzeichnet, dass sich durch einen offenen Meinungs- und Erfahrungsaustausch einzelne Variablen noch ändern können. Ziel ist es, das Bewertungssystem bedarfsgerecht zu optimieren. Die Honorierung der Landwirte und Patenschaften pro Hektar ist jedoch fixiert.
  • Die Maßnahmen sind mit den Anforderungen für Wasserschutzgebiete abgestimmt.
  • Eine Teilnahme an dieser privatwirtschaftlichen Initiative „beißt“ sich nicht mit anderen staatlichen Förderungen, z.B. KULAP.
  • Zeitlich ist geplant, bis Ende Mai 2021 die Verträge mit Paten und Landwirten zu schließen. Ziel ist es, ILE-weit mindestens 500 bis 600 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche im Programm zu haben. Die Firma FarmFacts generiert ab sofort sowohl Paten als auch Landwirte unabhängig voneinander. Eine Teilnahme macht ab 25 Hektar Sinn. Nach Ostern wird ein Flyer aufgelegt und in der Region verbreitet.
  • Für rund 150 Hektar hat Farmfacts schon Paten, welche die Klimaschutz-Maßnahmen der Landwirte finanzieren. Weitere Paten werden gebraucht und gesucht. Als Botschafter der Idee haben sich die ILE-Bürgermeister angeboten. Einige, darunter Bürgermeister Stephan Dorn aus Neuhaus, war von Anfang an von der Initiative sehr angetan. „Es profitieren sowohl Landwirte als auch die Paten und die gesamte Gesellschaft“, ist Dorn überzeugt, „ein Teil des Marketing-Budgets der regionalen Firmen kann so direkt in Umweltleistungen vor Ort investiert werden“. Er wird – wie viele seiner Bürgermeister-Kollegen, in nächster Zeit auf Betriebe in der Kommune zugehen, um für das Projekt zu werben. In dem sie die Initiative aktiv unterstützen, können sich auch die ILE-Kommunen ihr Engagement fürs Klima auf die Fahnen schreiben.
  • Interessierte können ab sofort bei Kurt Herbinger melden, Mail: kurt.herbingernextfarming.de.