Regionaler Strommarkt an Rott & Inn?

ILE will mehr Energie-Autarkie - Experten zeigen Wege auf

Ruhstorf an der Rott. Drei Stunden, acht Referate und jede Menge Diskussionsbeiträge: Bei der Sitzung der ILE an Rott & Inn zum Thema Energie war ganz schön viel Power drin. Um ihrer Vision, weitgehend energieautark zu sein, näher zu kommen, will die gemeindeübergreifende Kooperation bis zum Jahr 2025 ein entsprechendes Energiekonzept erstellen. Dafür haben einige ILE-Bürgermeister und ihre Geschäftsleiter im Rathaus Ruhstorf nun die Grundlagen gelegt.

Peter Ranzinger, Klimaschutz- und Energiemanager des Landkreises Passau, hatte sieben Experten verschiedener Bereiche zusammengetrommelt. Diese sorgten mit ihren Impulsvorträgen nicht nur für einen gemeinsamen Kenntnisstand, sondern auch für viel Inspiration. Doch wie sollen die Kommunen vorgehen auf dem Weg zur Energie-Autarkie? Peter Ranzinger zeigte einen möglichen Fahrplan auf: 1. Energie-autarke Kläranlagen schaffen, 2. die Straßenbeleuchtung auf LED mit insektenfreundlichem Warmlicht umstellen, 3. Abwärme nutzen, 4. Nahversorgung stärken, 5. Mobilität gewährleisten. Ranzinger empfahl den Kommunen, sich mit dem Energieatlas Bayern online eine Energiekarte zu erstellen. Diese gebe einen Überblick über sämtliche Kraftwerke, Anlagen erneuerbarer Energien und Abwärmepotenziale. Zudem bot Ranziger an, in regelmäßigen Abständen so genannte Bauherrensprechtage in den Rathäusern der ILE-Gemeinden anzubieten. Dort können sich „Häuslebauer“  neutral über energieeffiziente und nachhaltige Heizungs- und Energeierzeugungssysteme beraten lassen. Mitwirken könnte hier auch die Verbraucherzentrale Bayern.

Für manche regelrecht „elektrisierend“ oder zumindest interessant wirkte der Vortrag von Dr. Andreas Zorger und seinem Kollegen vom Bayernwerk: Sie schlugen der ILE vor, einen regionalen Strommarkt aufzubauen. So könnte die ILE als Partner für die Erzeuger erneuerbarer Energien in der Region auftreten, wenn die EEG-Umlage wegfällt (für manche Anlagen bereits ab 2021). In dem regionalen Strommarkt könnten Verbraucher sich nach dem Dorfladen-Prinzip auf einer Website ihren Lieblings-Erzeuger erneuerbarer Energie quasi „aus der Nachbarschaft“ aussuchen. Als Händler könnte Bayerwerk auftreten, mit einem Strompreis, der dem Ökostrom gleichkommt. Ein erster Schritt in diese Richtung wäre die Nutzung des vom Bayernwerk entwickelten Energiemonitors – eine Software, die den Eigenversorgungsgrad jeder Gemeinde 15-minütig misst, aufzeichnet und die Energieflüsse darstellt. Mit diesem Modell könnten Kommunen ihren Bürgen bewusst machen, wo her die benötigte Energie im Ort kommt und wohin sie fließt.

Franz-Josef Feilmeier von der Firma Fenecon, Anbieter von innovativen Speichersystemen in Deggendorf und überzeugter Förderer der Energiewende, legte den Bürgermeistern ans Herz, auf den Dächern kommunaler Gebäude PV-Anlagen zu installieren (auch auf Ost-, West- und Nordsiten), Blockheizkraftwerke, Wasserkraft und Windkraft zu nutzen, Flächen für PV-Anlagen auszuweisen – und Nachfrage nach erneuerbaren Energien zu erzeugen. Dazu könnte sich die ILE verpflichten, schrittweise immer mehr Strom nur regional einzukaufen. Elektrotankstellen könnten Regionalstrom anbieten. Feilmeier riet außerdem dazu, für Stromausfälle vorzusorgen und große Speicheranlagen zu schaffen, etwa in leerstehenden Firmen-Gebäuden.