Vom Klärschlamm bis zum Messe-Auftritt

Die zehn Gemeinden der ILE an Rott & Inn nehmen die Herausforderungen an

Ruhstorf an der Rott, 18. Dezember 2018.
Die Vielfalt an Themen könnte nicht größer sein. Und wichtig sind sie alle, die Klärschlammverwertung genauso wie der Messe-Auftritt und die Website. Die zehn Kommunen der ILE an Rott & Inn gehen diese Herausforderungen gemeinsam an. Alle zwei Monate treffen sich die Bürgermeister und Geschäftsleiter, um zusammen die besten Lösungen für ihre Region zu finden.

Wohin mit dem Klärschlamm? Diese Frage plagt heute viele Kommunen. Denn in absehbarer Zeit darf der schadstoffbelastete Schlamm, der bei der Abwasserentsorgung in den Gemeinden übrig bleibt, nicht mehr auf landwirtschaftliche Nutzflächen ausgebracht werden, und seine Entsorgung wird teurer und teurer. Dabei kann Klärschlamm ein wertvoller Rohstoff zur Energiegewinnung sein – das hat auf der 7. ILE-Beteiligtenversammlung am 12. Dezember Prof. Dr. Raimund Brotsack deutlich gemacht. Getroffen haben sich die zehn Bürgermeister und ihre Geschäftsleiter praktischerweise an dessen Arbeits- und Forschungsplatz – dem Technologiezentrum Energie in Ruhstorf. 

Dort züchten Prof. Brotsack und Kollegen natürliche Mikroorganismen, die aus dem Klärschlamm Gas gewinnen. „Wenn die Bedingungen passen, verdoppeln sie sich jede halbe Stunde. Der Klärschlamm ist zwar dreckig, aber die Mikrobiologie kann damit arbeiten. Das Ergebnis ist Methan“, erklärte Prof. Brotsack in seinem Referat. In etwa drei Jahren will er mit der Technologie wettbewerbsfähig sein. Bis dahin sucht er Partner für ein gefördertes Leuchtturmprojekt. „Haben Sie uns auf dem Schirm“, bat Brotsack die zehn Bürgermeister. Diese beschäftigen sich seit Monaten mit verschiedenen Varianten der Klärschlammverwertung, etwa mit der Lieferung von getrocknetem Klärschlamm an eine österreichische Firma. Diese wird aus der Klärschlammverbrennung Abwärme und Gas gewinnen. Gleichzeitig trägt das Verfahren zur Phosphatrückgewinnung bei. Das Referat von Prof. Brotsack mache sozusagen "das Bild rund“, wie Ruhstorfs Bürgermeister Andreas Jakob und ILE-Managerin Dr. Ursula Diepolder betonten.

Eine „runde Sache“ soll auch der Messeauftritt auf der „Ausblick 19“ Ende März in Ruhstorf werden, darüber war sich das Gremium um ILE-Vorsitzenden Franz Schönmoser einig. Den Messestand wird die Stadt Pocking zur Verfügung stellen. Wie man ihn gestalten könnte, zeigten Gabriele Hauer-Heinrich und Sabrina Liepold von der Werbeagentur Hauer & Heinrich aus Passau. Ihnen schwebt vor, die Messebesucher über das Thema Radfahren auf die ILE neugierig zu machen. Das kommt nicht von ungefähr: Der geplante „Saurüsselweg“, eine 127 Kilometer lange Radrunde, die alle zehn Gemeinden verbindet, ist so gut wie fertig. Der Weg, um dessen Umsetzung sich Kirchhams Tourismus-Chef Franz Mühldorfer kümmert, soll im Frühjahr ausgeschildert, auf der Messe beworben und zum Beginn der Radsaison offiziell eröffnet werden. Eine begleitende Broschüre, eine Website und eine digitale Karte sind in Arbeit.

Ebenso die Website, mit der sich die ILE an Rott & Inn der Öffentlichkeit vorstellen will – inklusive Imagefilm, den man auf der Messe "Ausblick 19" sehen können wird. Die Bürgermeister reicherten die Vorschläge zur Messe um weitere, originelle Ideen an. Außerdem erklärten sie sich bereit mit einem bestimmten Geldbetrag den Messeauftritt zu finanzieren und sich die Betreuung des Messe-Standes untereinander aufzuteilen. Nina Kiehlbrei vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten kündigte an, sich über die Möglichkeiten der Förderung des Messeauftritts schlau zu machen.

Die nächste Versammlung der 10 Kommunen ist für Februar geplant, doch die Bürgermeister Franz Krah (Pocking), Sepp Schifferer (Neuhaus am Inn), Wolfgang Lindmeier (Neuburg am Inn) und Andreas Jakob (Ruhstorf a.d. Rott) wollen sich schon in den nächsten Tagen treffen. Sie müssen sich in ihren Kommunen akut um das Thema Klärschlamm kümmern – und da sind sie gemeinsam stärker.

 

Was ist eine ILE?

Die ILE an Rott & Inn ist interkommunaler Zusammenschluss von Bad Füssing, Kirchham, Kößlarn, Malching, Neuburg am Inn, Neuhaus am Inn, Pocking, Rotthalmünster, Ruhstorf a.d. Rott und Tettenweis. Die zehn Gemeinden haben sich zum Ziel gesetzt,  mit der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) zukunftsträchtige Projekte gemeinsam umzusetzen, Einsparmöglichkeiten zu erschließen und Projekte Gemeinde-übergreifend auszuführen. Die Federführung hat der Markt Rottalmünster. Das gesamte ILE-Gebiet zählt rund 51.000 Einwohner.