Wie junge Ärzte gewinnen? Bürgermeister schmieden gemeinsame Pläne

ILE an Rott & Inn bündelt weiter ihre Kräfte – Dr. Ursula Diepolder übernimmt das Management

Kirchham. Selbstbewusst, gut bezahlt, angestellt und stark an einer angemessenen Worf-Life-Balance interessiert – das ist die neue Generation von Hausärzten, die Gemeinden auf dem Land für sich gewinnen müssen, wenn ihnen die hausärztliche Versorgung in Zukunft wichtig ist. Die zehn Bürgermeister der Integrierten Ländlichen Entwicklung an Rott & Inn (ILE) haben bei ihrer sechsten Versammlung in Kirchham beschlossen, sich dieser Herausforderung frühzeitig zu stellen. Doch das ist nur eines von vielen Themen, die der kommunale Zusammenschluss seit seiner Gründung 2016 mit geballter Kraft voran treibt. Um Synergie-Effekte zu nutzen und möglichst effektiv zu arbeiten, hat die ILE das Management jetzt an eine Expertin vergeben: Dr. Ursula Diepolder vom Büro für Regionalentwicklung in Schönbrunn am Lusen wird die Planung und Umsetzung der Projekte begleiten und Fördermöglichkeiten generieren.

Die wichtigsten Fakten zum Projekt ärztliche Versorgung lieferte auf der jüngsten Versammlung Gunnar Geuter vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Viele Hausärzte in der Region sind 60 Jahre und älter, werden in den nächsten Jahren ihre Praxis übergeben oder aufgeben. Gefragt sind junge Hausärzte, doch diese wollen in Teams und mehr als Angestellte anstatt als Selbständige arbeiten. Der Trend geht hin zu Gemeinschaftspraxen und Medizinischen Versorgungszentren. Gunnar Geuter empfahl deshalb, gemeindeübergreifend attraktive Bedingungen für junge Ärzte zu schaffen.

„Wir müssen unsere Strukturen an die neuen Bedürfnisse der neuen Ärzte anpassen“, pflichtete ihm Josef Schifferer, Bürgermeister von Neuhaus am Inn, in der anschließenden Diskussion bei. „Lasst es uns angehen“ - das war auch der Tenor seiner Bürgermeister-Kollegen. Einstimmig wurde beschlossen, zunächst mit den niedergelassenen Hausärzten in Kontakt zu treten.

 

Welche Projekte laufen sonst noch?

  • Das Pilotprojekt „Ferienbetreuung“ unter Federführung von Ruhstorf war erfolgreich und soll 2019 weitergeführt und optimiert werden.

  • Die Kommunen arbeiten daran, sich für die Klärschlammentsorgung Partner zu suchen und neue Wege zu gehen.

  • Die Medienunterlagen für die ILE und für das Startprojekt „Radrunde Saurüsselweg" sind vielfältig und fast fertiggestellt.

  • Die Bauhofleiter treffen sich im Oktober erneut, um in Punkto Verwaltungszusammenarbeit Möglichkeiten auszuloten.

  • Einige Kommunen der ILE setzten auf „Innenraum- vor Außenraumentwicklung“ und werden sich um eine tragfähige Planung und Fördergelder aus dem neu aufgelegten Förderprogramm des ALE Niederbayern „Innenstadt außen“ bemühen.

  • Die ILE-Mitglieder haben beschlossen, sich gemeinsam auf der Messe „Ausblick 19“ in Ruhstorf a.d.Rott zu präsentieren.


Was ist eine ILE?

Unter Federführung des Marktes Rottalmünster haben sich zehn Kommunen für einen interkommunalen Zusammenschluss ausgesprochen und beim Amt für ländliche Entwicklung (ALE) in Landau die Unterstützung und entsprechende Mittel für die Erstellung eines Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (kurz ILEK) beantragt. Die offizielle Gründung der Gemeinde-Allianz erfolgte am 22. Dezember 2016 im Tafelsaal von Kloster Asbach. Die ILE ist ein Instrument der Ländlichen Entwicklung, in dem sich Gemeinden auf freiwilliger Basis für eine Zusammenarbeit entschließen. Unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stärker“ setzen sie sich etwa zum Ziel, Einsparmöglichkeiten zu erschließen und Projekte Gemeinde-übergreifend zu planen und auszuführen.

Mitglieder der interkommunalen Kooperation ILE an Rott & Inn sind zehn Kommunen im Südwesten des Landkreises Passau: Bad Füssing, Kirchham, Kößlarn, Malching, Neuburg am Inn, Neuhaus am Inn, Pocking, Rotthalmünster, Ruhstorf a.d. Rott und Tettenweis. Das gesamte ILE-Gebiet zählt rund 51.000 Einwohner.