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ILE bezuschusst solidarische Landwirtschaft

Friedrich Kindermann und Esther Nitsche pflanzen Streuobstwiese – ILE an Rott & Inn fördert die Anschaffung von Gewächshaus und Jurte

Neuhaus a. Inn/Kirchham. Früher lebte die Familie Kindermann in Vornbach a. Inn von konventioneller Schweinemast. Doch seit der junge Hofnachfolger den Betrieb am Hang nahe des Neuburger Waldes übernommen hat, entwickelt sich die Landwirtschaft in eine neue, innovative Richtung: Vergangenes Jahr haben Friedrich Kindermann (38, Landwirt und Master in Bodenkunde) und seine Lebensgefährtin Esther Nitsche (41, Gartenbauingenieurin mit Fachwissen in Vermarktung, Obst- und Gemüsebau) mit der Umstellung auf Bio begonnen. Nach und nach sollen konventioneller Mais und Weizen dem ökologischen Gemüseanbau weichen. Heuer will das Paar in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband zum Erhalt der Artenvielfalt eine Wiese mit 30 Obstbäumen aus alten und niederbayerischen Sorten anlegen. Am Wochenende vom 10. und 11. April haben sie damit angefangen. Bald soll es auf dem „Hof Weitblick“ auch Flächen für die Hühnerhaltung geben – und dazu: Möglichkeiten, an denen sich Menschen treffen und begegnen können, zum gemeinsamen Garteln, Werkeln, Lernen und Ratschen sei es am Lagerfeuer oder in der neuen Pfadfinder-Jurte.

Die ILE an Rott & Inn fördert die Initiative mit Mitteln aus dem Regionalbudget. „Eine tolle Idee“, zeigt sich Mitglied Egon Seil aus Ruhstorf begeistert. „Dafür ist das Regionalbudget da“, findet Anton Freudenstein von der federführenden Kommune Kirchham. „Wir freuen uns sehr über die Unterstützung, denn sie bringt uns in der Anfangsphase des Projekts einen ganzen Schritt weiter. Aber vor allem zeigt es uns, dass wir mit unserem Vorhaben auf dem richtigen Weg sind“, sagen Esther Nitsche und Friedrich Kindermann.

Bereits 2020 haben sie aus der konventionell bewirtschafteten, etwa 10 Hektar großen Fläche 0,2 Hektar herausgenommen und in einen klassischen Bauerngarten verwandelt um sich auszuprobieren. Heuer wollen sie die genützte Fläche auf 0,8 Hektar erweitern, Hochbeete, Folientunnel und einen Geräteschuppen bauen. In der Zukunft können sie sich einen Hofladen mit Hof-Café vorstellen, in dem Obst und Gemüse der Saison verkauft wird. Eingemachtes und zugekaufte Bio-Erzeugnisse aus der Region könnten das Angebot erweitern. Im Sinne einer „Solidarischen Landwirtschaft“ haben Esther Nitsche und Friedrich Kindermann bereits weitere Mitglieder und Familien in das Projekt aufgenommen, die einer Genossenschaft ähnlich einerseits beim Gemüsebau helfen, andererseits ernten dürfen.

Sie wünschen sich, dass ihr Hof zu einem Treffpunkt der Generationen wird. Mit Workshops zu den Themen Gärtnern und gesunde Ernährung wollen sie Kinder, Erwachsene und Senioren zu einem nachhaltigen Lebensstil inspirieren. Mit ihren Produkten möchten sie die Nahversorgung mit Lebensmittel in Vornbach ergänzen. Außerdem könnte man durch eine entsprechende Beschilderung auch Radfahrer zu einem Abstecher auf den Hof motivieren. Durch die Hanglage zum Inn hin hat man einen schönen Weitblick Richtung Schärding und Salzburger Alpen. Einen schönen Einblick in den Hof soll demnächst eine Website geben.

 

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Integrierte Ländliche Entwicklung an Rott & Inn

Im Dezember 2016 haben sich zehn Kommunen aus dem südlichen Landkreis Passau (Bad Füssing, Kirchham, Kößlarn, Malching, Pocking, Neuburg am Inn, Neuhaus am Inn, Rotthalmünster, Ruhstorf a.d. Rott und Tettenweis) zur Kooperation "Integrierte Ländliche Entwicklung ILE an Rott & Inn zusammengeschlossen." Geografisch verbunden sind sie durch die namensgebenden Flüsse Rott und Inn, beraten und gefördert werden sie vom Amt für Ländliche Entwicklung in Landau a.d. Isar.Gemeinsam treiben sie die Entwicklung in ihrer Region nachhaltig und zukunftsweisend voran. Grundlage ihres abgestimmten Handelns ist das "Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept" (ILEK), das Dr. Ursula Diepolder & Dieter Spörl im Jahr 2017 erstellt haben. Den Vorsitz der ILE hat seit Mai 2020 1. Bürgermeister Andreas Jakob aus Ruhstorf a.d. Rott, 2. Vorsitzender ist 1. Bürgermeister Willi Lindner aus Kößlarn. Im Dezember 2020 nahm die ILE die Stadt Bad Griesbach als elftes Mitglied auf. Die elf Bürgermeister und ihre Geschäftsführer treffen sich regelmäßig zu Beteiligtenversammlungen. Das Management hat die Regionalemanagerin Dr. Ursula Diepolder aus Hohenau (Schönbrunn am Lusen) übernommen. Erfahren Sie hier mehr über die wichtigsten Handlungsfelder.