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Klimafreundliche Unternehmen und Organisationen gesucht

Landwirte bewirtschaften ihre Flächen klimafreundlich – Unternehmen honorieren dies finanziell, sorgen für CO2-Ausgleich und Artenvielfalt – Start der Initiative Klima-Landwirt am 1. Juli

 Wow, das ging schnell: In nur drei Wochen seit dem Aufruf in den Medien hat die Initiative Klima-Landwirt (IKL) im südlichen Landkreis Passau und im Landkreis Rottal-Inn enorm Zulauf bekommen. „Mehrere Landwirte haben sich engagiert und werden im neuen Wirtschaftsjahr auf insgesamt 500 Hektar ihre Anbausysteme anpassen. Dazu schaffen sie auf Teilflächen ihrer Betriebe auch neue Landschaftselemente für den Artenschutz“, sagt Kurt Herbinger von der Farmfacts GmbH in Pfarrkirchen, „jetzt brauchen wir noch Paten“. Gemeinsam mit der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) an Rott & Inn, einer Kooperation aus elf Kommunen, und zwei weiteren Pilotregionen hat die Farmfacts GmbH ein innovatives Pilotprojekt gestartet. Dabei bilden Landwirte und Sponsoren regionale Allianzen für das Klima.

Die teilnehmenden Landwirte werden für Umweltleistungen wie CO2-Bindung beim Feldanbau, Arten-, Grund- und Trinkwasserschutz künftig finanziell honoriert – und zwar von Betrieben und engagierten Organisationen, die wegen ihrer CO2-Emissionen für Ausgleich sorgen und den Artenschutz unterstützen wollen.

Seit April konnten die IKL-Mitarbeiter und die ILE-Bürgermeister sieben Landwirte für das Projekt gewinnen. Aktuell sind sie mit klimafreundlichen Unternehmern und Organisationen als Sponsoren im Gespräch. Neben dem Projekt in der Region Rott-Inn gibt es in Bayern noch ein Projekt in Franken und in Baden-Württemberg im Zollern-Alb-Kreis. „Für das Einzugsgebiet dieser drei IKL-Pilotregionen haben bereits zwei kaufmännische Dienstleister zugesagt, mehrere Kommunen, ein Agrarhändler, zwei Baustofflieferanten, ein Brennstofflieferant, ein Pharma-Unternehmen und ein Beratungsunternehmen“, zählt Kurt Herbinger auf, „zielführende Gespräche laufen mit zwei Finanzinstituten, einer Brauerei, zwei Filialbäckereien, einem Autozulieferer, einem Landkreis, einer weiteren Kommune und zwei Selbstvermarktern.“

Das Interesse beweise, dass sich immer mehr Unternehmen neue Wege suchen, wie sie ihre langfristige Wettbewerbskraft stärken können. Bisheriges Marketing und gewohnte Veranstaltungsformate würden hinterfragt. Teile des Event- und Werbebudgets würden immer öfter in klima- und umweltbezogene und am besten heimische Engagements investiert. Dies stärke die positive Verankerung des Anbieters bei Kunden viel mehr als die übliche Werbung. „Auch zusammen mit Vorlieferanten und anderen Geschäftspartnern können Gewerbebetriebe viel bewegen, ohne dass es dem einzelnen zu viel Kosten verursacht. Die Lieferketten werden ein dauerhaftes, einprägsames und ehrliches Nachhaltigkeitssignal aussenden können. Deshalb sind diese Strukturen wichtig bei der Gewinnung von Patenschaften“, meint Herbinger. 

Potenzielle Sponsoren sind aufgerufen, sich per Mail an kurt.herbingernextfarming.de zu wenden. Besonders interessiert dürften Unternehmen sein, die mit Landwirten Geschäftsbeziehungen pflegen, sagt Herbinger, z.B. Landhandel, Landtechnikhandel, Bäckereien, Brauereien, Mühlen und Baustofflieferanten. Als Sponsoren prädestiniert seien weiterhin Finanzierer der Landwirtschaft wie Banken, dazu Kommunen und regionale Verbünde. Die elf in der ILE an Rott & Inn zusammengeschlossenen Bürgermeister wünschen sich zudem, dass sich regional ansässige Unternehmer melden, die mit ihrem Engagement fürs Klima gut werben können und als Vorbilder dienen.

Was müssten Sponsoren leisten, was kriegen sie dafür? Die Patenschaften müssen gezeichnet und für drei Jahre zugesagt werden. Die Paten bekommen eine Urkunde (testiert) und die wichtigsten Unterlagen zur Berechnung der CO2-Kompensation bzw. Informationen über den einzelnen Landwirt und seine Wirtschaftsweise, wenn das gewünscht wird. Zudem gibt es gegen eine kleine Gebühr verschiedene Aufkleber mit dem IKL-Symbol für die Außen- oder Innenwerbung. Das Logo kann auf Fahrzeugen, in Eingangsbereichen oder auch für den Internetauftritt genutzt werden. Die ersten Patenschaften werden ab Ende Juni in einem Filmprojekt porträtiert und können das Video vielseitig für sich nutzen. Sowohl regional als auch überregional wird der Film eingesetzt, um das Engagement der Vorreiter zu transportieren. Regelmäßig werden die Projekte auch über regional wirksame Medien (inkl. soziale Medien) öffentlich gemacht. Das Pilotprojekt beginnt am 1. Juli 2021.

„Insgesamt ist das Pilotprojekt IKL die letzten drei Wochen relativ schnell und intensiv gestartet. Das geht augenscheinlich so weiter“, sagt Kurt Herbinger, „das Ganze muss einfach unser aller Initiative werden, dann bewegen wir etwas.“

Initiative Klima-Landwirt – die wichtigsten Infos:

  • Die IKL will über Humus-Aufbau und Vermeidung von Humusabbau einen positiven
    CO2-Effekt erreichen.
  • Gesucht werden Landwirte, die mit ihren Flächen (mindestens 25 Hektar) teilnehmen möchten, sowie Unternehmen, die Klimapatenschaften von diesen Landwirten kaufen wollen (Paten). Beide bringen ihr Engagement ein und gehen Verträge mit einer Laufzeit von drei Jahren über die IKL ein.
  • Die teilnehmenden Landwirte können sich als „Klima-Landwirte“ bezeichnen, setzen klimaschützende Fruchtfolgen um, bauen Elemente zur Förderung der Artenvielfalt ein und fördern damit gesundes Trinkwasser und einen nachhaltigen Wasserhaushalt für alle Bürger in der Region. Dabei werden sie von Experten beraten und begleitet.
  • Ihre Leistungen werden erfasst und dokumentiert. Dazu hat die IKL ein Bewertungssystem entwickelt, das mit Bonuspunkten (Credits) arbeitet.
  • Die IKL-Punkte können für drei Bereiche erreicht werden: 1) Bindung von CO2 im Humus (Rückführung aus der Atmosphäre). 2) Vermeidung von CO2-Freisetzung auf dem Feld und in vorgelagerten Bereichen der Düngemittelproduktion inkl. damit verbundener Logistik 3) Beiträge zur Erhöhung der Biodiversität.
  • Verwaltet werden die Patenschaften von der Firma Farmfacts, die ihr System wissenschaftlich und rechtlich prüfen ließ und mit anerkannten Institutionen zusammenarbeitet (TUM, LLA Triesdorf, LfL etc.)
  • Klima-Landwirte erhalten für ihre Leistungen nach dem 1. Jahr Geld und pflegen „nebenbei“ ihr Image.
  • Die Wertschöpfung bleibt in der Region
  • Paten können mit diesem Engagement als „Klima-freundliche Betriebe“ werben.
    Sie können Ihren CO2-Abdruck glaubwürdig reduzieren
  • Die ILE an Rott & Inn ist eines der insgesamt drei Pilotprojekte. Ein Pilotprojekt ist dadurch gekennzeichnet, dass sich durch einen offenen Meinungs- und Erfahrungsaustausch einzelne Variablen noch ändern können. Ziel ist es, das Bewertungssystem bedarfsgerecht zu optimieren. Die Honorierung der Landwirte pro Hektar ist jedoch fixiert.
  • Die Maßnahmen sind mit dem Wasserschutz abgestimmt.
  • Eine Teilnahme „beißt“ sich nicht mit anderen Förderungen, z.B. KULAP. Vielmehr ist Privatinitiative IKL ein zusätzlicher Anreiz, noch mehr als vorgeschrieben zu tun.
  • Zeitlich ist geplant, ab sofort die Verträge mit Paten und Landwirten zu schließen. Ziel ist es, ILE-weit 600 bis 800 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche im Programm zu haben. 500 Hektar sind bereits vertraglich in der „Schlussrunde“ und für Paten kalkulierbare Fläche. Die IKL generiert Paten und Landwirte unabhängig voneinander. Eine Teilnahme macht ab 25 Hektar Sinn.
  • Für rund 300 Hektar hat Farmfacts schon Paten, welche die Klimaschutz-Maßnahmen der Landwirte honorieren. Weitere Paten werden gebraucht. Als Botschafter der Idee haben sich die ILE-Bürgermeister angeboten.
  • Interessierte können ab sofort bei Kurt Herbinger melden,

        Mail: kurt.herbingernextfarming.de.

Imagefilm

Integrierte Ländliche Entwicklung an Rott & Inn

Im Dezember 2016 haben sich zehn Kommunen aus dem südlichen Landkreis Passau (Bad Füssing, Kirchham, Kößlarn, Malching, Pocking, Neuburg am Inn, Neuhaus am Inn, Rotthalmünster, Ruhstorf a.d. Rott und Tettenweis) zur Kooperation "Integrierte Ländliche Entwicklung ILE an Rott & Inn zusammengeschlossen." Geografisch verbunden sind sie durch die namensgebenden Flüsse Rott und Inn, beraten und gefördert werden sie vom Amt für Ländliche Entwicklung in Landau a.d. Isar.Gemeinsam treiben sie die Entwicklung in ihrer Region nachhaltig und zukunftsweisend voran. Grundlage ihres abgestimmten Handelns ist das "Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept" (ILEK), das Dr. Ursula Diepolder & Dieter Spörl im Jahr 2017 erstellt haben. Den Vorsitz der ILE hat seit Mai 2020 1. Bürgermeister Andreas Jakob aus Ruhstorf a.d. Rott, 2. Vorsitzender ist 1. Bürgermeister Willi Lindner aus Kößlarn. Im Dezember 2020 nahm die ILE die Stadt Bad Griesbach als elftes Mitglied auf. Die elf Bürgermeister und ihre Geschäftsführer treffen sich regelmäßig zu Beteiligtenversammlungen. Das Management hat die Regionalemanagerin Dr. Ursula Diepolder aus Hohenau (Schönbrunn am Lusen) übernommen. Erfahren Sie hier mehr über die wichtigsten Handlungsfelder.